Montag, 24. September 2018
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Die Geschichte der Feuerwehr Lauf

Die Feuerwehr im Dritten Reich

Die NS-Zeit brachte für die Feuerwehren viele Veränderungen mit sich, die sich sowohl negativ als auch positiv auswirkten. Bis 1933 waren die freiwilligen Feuerwehren selbständige Vereine mit einer demokratisch gewählten Führung, aber das Jahr 1934 brachte eine Änderung der Statuten mit sich. Wie in allen Vereinen fand das Führerprinzip der Nationalsozialisten auch bei den Feuerwehren Anwendung. Alle mit Befehlsgewalt und Inspektionsbefugnis ausgestatteten Stellen wurden auf Vorschlag des Bezirksbrandinspektors vom Landesbranddirektor ernannt und den Gemeindeverwaltungen zur Zustimmung vorgelegt. Die Feuerwehren sollten straffer geführt und mehr an den Staat und die Partei gebunden werden. Die meisten Kreisleiter zwangen die Kommandanten, der Partei beizutreten. Vielerorts herrschte bereits kurz nach der Machtergreifung Personalmangel, da viele Bürger sich nun in SS, SA, NSKK oder der Hitlerjugend organisierten oder organisieren mußten und es vielen nun an Zeit für den Feuerwehrdienst mangelte. Auch war es der Feuerwehr nun nicht mehr möglich, sich aus den parteipolitischen Auseinandersetzungen herauszuhalten. Oftmals führten die neuen Gesetze auch zum Machtmißbrauch, wie dieser Fall zeigt: 

Der Bezirksbrandinspektor Gustav Lichtscheidel wollte seine neu gewonnene Macht im Februar des Jahres dazu ausnützen, Heinrich Dümmler, mit dem er sich schon längere Zeit im Streit befand, abzusetzen und Fritz Zimmerer zum Kommandanten zu ernennen. Als Zimmerer auf einer Sitzung bekannt gab, von Lichtscheidel mit der Führung der Feuerwehr beauftragt worden zu sein, kam es zu wütenden Protesten der Feuerwehrleute. Daraufhin gab Heinrich Dümmler sein Amt sofort zurück um einer Absetzung zuvorzukommen. Eine Abordnung der Feuerwehr wandte sich an den Stadtrat und erklärte, den Dienst verweigern zu wollen, wenn Zimmerer Kommandant werden würde. Es folgte nun eine Sitzung mit dem Bürgermeister, dem Bezirksbranddirektor, dem Kreisleiter der NSDAP, dem Vorsitzenden der NS-Stadtratsfraktion sowie Dümmler und Lichtscheidel. Das Ergebnis war, daß Dümmler Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Lauf blieb, Lichtscheidel aber vom Amt des Bezirksbrandinspektors zurücktreten mußte, daß dann auch von Dümmler übernommen wurde.

Das Verhältnis der Feuerwehren zur Partei war von Anfang an gestört, da die Feuerwehr von den Parteiformationen meist mit Geringschätzung behandelt wurden. Die Feuerwehr, die sich bewußt nicht militärisch gab, bekam von der SA vorgeworfen, sich „unsoldatisch“ zu verhalten und dieser Vorwurf führte oftmals zu einer strafferen Führung der Wehren. Dennoch ordnete die SA- Führung im Juni des gleichen Jahres an, daß bei der Einteilung des Dienstes besonders auf Feuerwehrleute Rücksicht genommen werden soll, um den Personalrückgang aus den oben genannten Gründen zu verhindern. Schließlich war man ja bei den Planungen für den Krieg im Luftschutz auf die Feuerwehren angewiesen. Aus Personalmangel ordnete man später sogar an, daß die Mitglieder der Wehrformationen Feuerwehrtätigkeiten wahrnehmen müssen.

Vom 15. bis zum 16. Dezember fand wieder ein Kreisfeuerwehrtag in Lauf statt, auf den direkt im ganzen Reich die vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda angeordnete Feuerschutz- Woche stattfand.
Im Jahre 1935 verschlechterte sich die finanzielle Lage der Stadt zusehends, da mehrere Betriebe Bankrott waren, somit Steuereinnahmen ausfielen und es noch mehr Fürsorgeempfänger gab.

Zugleich begann aber das NS- Regime ein besonderes Augenmerk auf die Feuerwehr zu richten, da sie im Luftschutz eine große Rolle spielen sollte. Ein großes Hindernis bei der dazu nötigen überörtlichen Kooperation waren die unterschiedlichen Schlauchtypen und Kupplungssysteme, die überall noch vorhanden waren. Deshalb setzten das Reichsinnenministerium, das Reichsluftfahrtministerium und die Industrie eine „Feuerwehrtechnische Normenstelle“ ein, deren Aufgabe die Vereinheitlichung der Ausrüstungsgegenstände der Feuerwehren war. Bis 1938 war es gelungen alle Ausrüstungsgegenstände auf Normblättern zu ordnen sowie vier Schlauchtypen mit der sogenannten Storzkupplung einzuführen. Es wurden nun genormte Fahrzeuge entworfen, wie zum Beispiel das LLG, daß später dann als LF 8 bezeichnet wurde, und als Standardfahrzeug diente. Die verschiedenen Hilfsorganisationen wurden nun im Sicherheits- und Hilfsdienst SHD zusammengefaßt. 

Diese Fahrzeugnormen bestanden jedoch 1935 noch nicht, als die FFW Lauf endlich eine Automobilspritze anschaffen konnte, die nur durch die Rolle, die Lauf im Luftschutz spielte, ermöglicht wurde. Die Stadt Lauf beherbergte selbst kriegswichtige Betriebe und war außerdem in den Luftschutz für die Stadt Nürnberg eingebunden. Nach Verhandlungen mit den Firmen C. D. Magirus und Mercedes- Benz/ Metz beschloß die Feuerwehrverwaltung schließlich, das Magirus- Angebot anzunehmen. Daraufhin teilte der Vertreter der Firma Mercedes mit, man möge von einem Kauf bei Magirus absehen, da es sich hier um einen „nichtarischen“ Betrieb handle. Der Vertreter der Firma Magirus konnte aber den Vorwurf durch eine Bescheinigung des Zentralkomitees der Boykottbewegung der Reichsleitung der NSDAP entkräften. So wurde das Fahrzeug doch bei Magirus bestellt und konnte am 5. Oktober auf dem Marktplatz feierlich übergeben werden. Das mit einem Darlehen und einem Zuschuß der Landesbrandversicherung sowie Spenden der Industrie und der Bevölkerung finanzierte Fahrzeug besaß einen 70-PS-Motor und 11 Sitzplätze. Die feuerwehrtechnische Ausstattung umfaßte außer einer Vorbaupumpe mit einer Leistung von 1500 l/min. noch jeweils eine Haken- und Schiebeleiter, 2 Haspeln mit 100m Schlauch und eine fahrbare Haspel mit 250 m Schlauch. Eine technische Neuerung war eine „Wasser- und Schaummotorspritze Goliath III“ die ebenfalls zur Beladung gehörte.

Im Januar 1936 fand eine Luftschutzversammlung der Kommandanten, Führer und des Bürgermeisters statt, auf der die Einrichtung einer Fabrikfeuerwehr in der Korksteinfabrik Mahla beschlossen wurde. 

Im Februar wird die Feuerwehr in eine Polizei- Exekutive umgewandelt und untersteht nun dem Ortspolizeiverwalter, in Lauf dem Bürgermeister. Der oberste Führer der Feuerwehren ist nun der General der Polizei und Chef der Ordnungspolizei Daluege. 
Im September wird aus Gründen des Luftschutzes und der Beweglichkeit der SHD- Einheiten angeordnet, nur mehr genormte Kupplungen und Anschlüsse zu verwenden. Alle bisher verwendeten Typen mußten bis zum 1.1.1938 umgestellt werden. Auch ist der offizielle Titel Dümmlers nun nicht mehr Kommandant sondern „Kolonnenführer“. Im gleichen Jahr wurde eine Hilfsfeuerwehr aus nicht mehr Wehrpflichtigen aufgestellt, um eine Personalreserve zu haben. 

Im Juli mußte die Feuerwehr die Barthsche Halle in der Altdorfer Straße räumen und wieder alle Gerätschaften in der Halle am rechten Bahnhof unterbringen.

Im Innenministerium arbeitete man inzwischen an einem Reichsfeuerlöschgesetz, das aber durch verschiedene Probleme erst am 13. November 1938 veröffentlicht wurde. Die Berufsfeuerwehren sind nun als „Feuerlöschpolizei“ Teil der Polizei-Exekutive, während die Freiwilligen Feuerwehren nun als „Technische Hilfspolizei“ ihren Dienst versehen. Auf Weisung des Reichsinnenministeriums stellte der Deutsche Feuerwehrverband seine Tätigkeit ein. Auch die „Zeitung für das Feuerlöschwesen“ wurde durch die im Auftrag des Reichsführers SS, Heinrich Himmler, und des Chefs der deutschen Ordnungspolizei im Reichsministerium des Inneren, General der Polizei Daluege, herausgegebene Zeitung „Deutscher Feuerschutz“ ersetzt. Eine gewisse Unabhängigkeit blieb den Freiwilligen Feuerwehren nur deshalb erhalten, weil der Staat die Kosten für die Kontrollorgane, die bisher aus den Mitgliedsbeiträgen finanziert wurden, nicht aufbringen konnte. Im Jahre 1940 erging deshalb der Erlaß „den Freiwilligen Feuerwehren ein Innenleben zur Erhaltung ihrer Freiwilligkeit zu belassen“. Der innere Dienst wurde nun selbständig durch das „Reichsamt Freiwillige Feuerwehren“ in Berlin geregelt.

In Lauf wurden 1937 viele Kameraden zur Wehrmacht eingezogen, so daß die Zahl der Mitglieder immer weiter zurückging. Die Gründung einer Pflichtfeuerwehr konnte gerade noch durch einen Aufruf an die Bürger verhindert werden, in dessen Folge 36 Mann als aktive Mitglieder der Feuerwehr beitraten. Eine Statistik der Verwaltung in Berlin aus dem Jahr 1938 zeigt, daß die Zahl der Feuerwehrdienstleistenden in Deutschland seit 1933 um ein Drittel zurückgegangen war. In anderen Gemeinden war die Lage jedoch schon so prekär, daß 1938 erstmals in Osnabrück und Celle „Feuerwehrscharen“ aus der Hitlerjugend gebildet wurden. Dieses Modell wurde von den meisten Gemeinden übernommen. 
Die Feuerwehrführung sah dies als Nachwuchsorganisation, während die Reichsjugenführung unter Baldur von Schirach dies als Betätigung im Luftschutz, der „Heimatfront“ sah.
In Lauf griff man zuerst einmal auf 9 ehemalige Feuerwehrmänner zurück. Nachdem der Personalstand 1938 auf unter 80 Mann sank, mußte man„dienstunlustige“ Feuerwehrmänner, Frauen und nicht mehr Wehrpflichtige nach § 2 des Reichsluftschutzgesetzes einziehen. Es war aber trotzdem notwendig, eine HJ-Schar und eine HJ- Hilfsgruppe zum Teil zur Feuerwehr und zum Roten Kreuz einzuberufen und auszubilden. Die Personalsituation verschlimmerte sich noch, als im Juni 1942 Bauhandwerker zum Einsatz im Osten und die Jahrgänge 1892- 1907 zur Wehrmacht eingezogen wurden, unter denen sich besonders viele Feuerwehrmänner befanden. 

Im Jahr 1941 mußte sogar ein Fahrer von der Nachtwache bei der Firma Zündapp in Nürnberg befreit werden, um die Einsatzbereitschaft der Wehr zu gewährleisten. 
Eine Inventarliste aus dem Jahr 1939 verzeichnet drei Fahrzeuge, einen Adler-PKW, den Mercedes Benz mit der Motorspritze und die Magirus- Automotorspritze. 
Im gleichen Zeitraum genehmigte der Inspekteur der Ordnungspolizei die Anschaffung eines TSA von Magirus für die Präzisionswerkzeugfabrik Moschkau & Glimpel am Westende der Stadt. Durch Aufstauung des Bitterbachs sollte im Werksgelände ein Feuerlöschteich geschaffen werden, da der Druck der Wasserleitung nicht ausreichte, wenn ein weiter ortseinwärts gelegener Betrieb Wasser verbrauchte. 

Über die folgenden Jahre bis hin zum Jahr 1950 sind keine oder nur wenige Dokumente erhalten und auch in den Akten der NSDAP und der amerikanischen Militärverwaltung ließen sich fast keine Informationen finden. Die NSDAP-Akten wiesen nur sehr wenig zur HJ- Feuerwehr und zum Luftschutz auf. Die anderen Aufzeichnungen sind wohl vernichtet worden. Ebenso fehlen die Protokollbücher der Jahre 1941 bis 1949. Das Folgende basiert meist auf einem Gespräch mit Karl Mühling, der zu dieser Zeit selbst als Jugendlicher in der Feuerwehr Lauf aktiv war und Rückschlüssen aus den wieder vorhandenen Protokollbüchern ab 1950. 

Die Mannschaft unter Kommandant Dümmler bestand zu dieser Zeit nur aus ca. sechs bis sieben Mann, die als Löschgeräte nur dürftig ausgestattete Löschkarren und nur eine Motorspritze zur Verfügung hatten. Die Feuerwehr konnte nach Aussage von Karl Mühling nur noch den Adler und ein Löschfahrzeug nutzen, die Magirus- Autospritze. Bei den schweren Luftangriffen auf Nürnberg 1944/45 mußte die Feuerwehr Lauf auch dorthin ausrücken, um die überall wütenden Großbrände zu bekämpfen. Bei einem dieser Einsätze in der Großstadt war das einzige Laufer Fahrzeug von einem einstürzenden Haus schwer beschädigt worden, konnte aber repariert werden. Auch Lauf und Röthenbach wurden in der Nacht vom 30. auf den 31. März 1944 Ziel eines Luftangriffs. Die Feuerwehr Lauf mußte daraufhin in Lauf und den umliegenden Orten Brände löschen.

In Lauf waren während des Krieges außerdem zeitweise Feuerwehrfahrzeuge einer motorisierten Luftschutz- Einheit der Luftwaffe untergebracht. Diese Einheiten unterstanden dem Reichsluftfahrtministerium und waren gegründet worden, um bei Bombenangriffen gezielt Hilfe leisten zu können. Die Einheiten, mit ihren taubengrau lackierten Fahrzeugen, bestanden aus Soldaten, die in diesen Feuerlöscheinheiten Dienst taten. Um eine Zerstörung dieser Fahrzeuge zu vermeiden, waren sie meist außerhalb der großen Städte stationiert und rückten im Bedarfsfall in die Städte ein. Etwa sieben bis acht Fahrzeuge standen auch auf der Urlashöhe im Freien, um in Nürnberg eingesetzt zu werden und bildeten so eine schlagkräftige Einheit.

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